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Coverabbildungen des Bilderbuchs "Wenn meine Haare sprechen könnten" von Dayan Kodua und des Sachbuchs "Es ist doch nur Haut!" von Nina Jablonski und Holly Y. McGee

Lesung von Dayan Kodua in der Stadtbücherei Schwarzenbek

Heute möchte ich euch von einer tollen Veranstaltung in der Stadtbücherei Schwarzenbek berichten. Im Rahmen der „Internationalen Wochen gegen Rassismus” las Dayan Kodua in der letzten Woche aus zwei Büchern des von ihr gegründeten Gratitude Verlags. Das erste war „Wenn meine Haare sprechen könnten”, geschrieben von ihr selbst. Das zweite war „Es ist doch nur Haut!” von Nina G. Jablonski und Holly Y. McGee.

Der 2019 gegründete Gratitude Verlag verlegt nur Bücher mit BPoC-Held:innen und hat das Ziel, Diversität und Empowerment durch Geschichten zu vermitteln.

Die Veranstaltung war sehr gut besucht und es war toll, nicht nur die Begeisterung der Kinder, sondern auch die der Referentin zu erleben.

Im Mittelpunkt des Bilder- und Vorlesebuchs „Wenn meine Haare sprechen könnten” (Gratitude 2022) steht Akoma. Morgens macht Mama ihr die Haare, denn Akomas Klasse macht einen Ausflug auf den Bauernhof von Heike und Günther Schröder.

Die Kinder lauschten gebannt der lebendigen Lesung. Zwischendrin stellten sie immer wieder Fragen. Ein Kind wollte wissen, warum ein Junge auf dem Bild so helle Flecken im Gesicht habe. Ob er sich wohl bekleckert hätte? Aber nein! In einem launigen Hin und Her mit den Kindern erklärte Dayan Kodua, was Pigmentstörungen sind und dass es sich dabei um Vitiligo, die Weißfleckenkrankheit, handelt.

Dann ging es mit der Geschichte weiter: Die Schulklasse ist noch nicht lange auf dem Bauernhof, als Frau Schröder Akoma ungefragt in die Haare fasst.
Aber das mag Akoma gar nicht!
Das konnten die zuhörenden Kinder gut verstehen. Von Fremden angefasst zu werden, das mag keine:r. Aber was tun?

Auch darum geht es in dem Buch. Ihre Mama tröstet Akoma und sagt ihr, dass sie die schönsten Haare der Welt hat. Und dann zeigt sie ihr, was man damit alles machen kann: Braids, Cornrows, Twists und vieles mehr, was auch im Buch abgebildet ist. Auch einige der anwesenden Kinder hatten Dreadlocks und andere Frisuren, die ausgiebig gewürdigt wurden.

Am Ende musste noch geklärt werden, was Akoma jetzt machen kann. Im Buch bittet ihre Lehrerin sie, das nächste Mal zu ihr zu kommen. Noch wichtiger war Dayan Kodua aber, dass die Kinder lernen, für sich selbst einzustehen. Deshalb übten sie ein Stopp-Zeichen.

Und in der Geschichte? Da fragt Akoma Frau Schröder beim nächsten Besuch auf dem Bauernhof, ob sie ihre Haare auch mal anfassen darf. Aber Frau Schröder will das nicht! Und da merkt sie, dass sie vielleicht doch ein bisschen zu weit gegangen ist. Also entschuldigt sie sich bei Akoma.

Danach präsentierte Dayan Kodua die Bilder des Sachbuchs „Es ist doch nur Haut” von Nina G. Jablonski und Holly Y. McGee ein. Kindgerecht wird darin die Geschichte der menschlichen Haut erzählt.

Absatz für Absatz durften Kinder, die sich freiwillig meldeten, den Text vorlesen. Und auch hier ging Dayan Kodua immer wieder auf die vielen, vielen Fragen ein. Zum Beispiel, warum die Haut das am härtesten arbeitende Organ des Körpers ist oder wie sich die Haut an verschiedene Umweltbedingungen anpasst und auf Kälte, Hitze und UV-Strahlung reagiert. Das haben viele Kinder schnell verstanden.

Und so war am Ende auch klar: Nicht die Hautfarbe macht schlau oder dumm, gut oder böse, schnell oder langsam … Hautfarbe ist ein Ergebnis der Evolution – und sollte nicht als Grundlage für Diskriminierung dienen!

Mir hat besonders gefallen, wie lebendig und abwechslungsreich die Veranstaltung war. Die weißen Kinder waren in der Überzahl, aber die Augen der Schwarzen Kinder leuchteten ganz besonders. Als Zuhörerin und Beobachterin spürte ich, wie sehr sie es genossen, wahrgenommen zu werden.

Das hat mir einmal mehr bewusst gemacht, dass es engagierte Menschen wie Dayan Kodua und ihren Gratitude Verlag braucht, damit jedes Kind in unserer Gesellschaft Identifikationsfiguren hat. Nur so kann jedes Kind sein eigenes Potenzial entdecken und unsere Gesellschaft ein Bild von Diversität und Vielfalt entwickeln.

(Heinke Ubben, 28.3.2025)

Vorgestellt wurden:
Wenn meine Haare sprechen könnten
Dayan Kodua
Illustration: Nicole Gebel
Gratitude: Hamburg 2022
ab 4 Jahren
ISBN: 978-3982076843
Umfang: 44 Seiten

Es ist doch nur Haut!
Nina G. Jablonski und Holly Y. McGee
Illustration: Karen Vermeulen
Gratitude: Hamburg 2024
ab 6 Jahren
ISBN: 978-3989200036
Umfang: 56 Seiten

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